Alle Abteilungen melden Fortschritt, der Durchsatz bleibt aber gleich. Woran das liegt.
Es gibt eine Zahlenkombination, die den derzeitigen Stand der Dinge besser beschreibt als jede Marktprognose. Atlassian hat für den „State of Teams 2026″ 12.035 Wissensarbeitende und 173 Führungskräfte aus Fortune-1000-Unternehmen befragt. 89 Prozent der Führungskräfte sagen, KI mache ihr Unternehmen schneller. 6 Prozent sind sicher, dafür belastbare Beispiele für einen unternehmensweiten Wertbeitrag zu haben.
Der naheliegende Verdacht wäre, dass die 89 Prozent übertreiben. Wir glauben das nicht und halten beide Zahlen für zutreffend — und genau das ist der interessante Teil.
Beide Zahlen können stimmen
Wenn eine Sachbearbeiterin ihre Angebote heute in zwanzig statt in sechzig Minuten schreibt, ist das kein Marketing. Das ist messbar, sie merkt es selbst, ihre Führungskraft merkt es auch. Die Beschleunigung ist real. Sie taucht nur nirgends wieder auf.
Der Grund dafür ist unangenehm banal und in der Betriebswirtschaft seit Jahrzehnten bekannt. Er wird derzeit nur flächendeckend ignoriert, weil alle auf das Werkzeug schauen statt auf die Kette, in der es eingesetzt wird.
Beschleunigung an der falschen Stelle erzeugt Warteschlangen
Rechnen wir es durch. Ein Vertriebsteam erstellt monatlich 400 Angebote. Mit KI-Unterstützung geht das künftig doppelt so schnell, also 800 wären möglich. Die technische Machbarkeitsprüfung dahinter schafft weiterhin 400. Die kaufmännische Freigabe ebenfalls.
Was passiert? Nicht mehr Abschlüsse. Sondern 400 zusätzliche Vorgänge, die vor der Prüfung liegen. Und mit ihnen: längere Durchlaufzeiten für alle Angebote, weil die Warteschlange wächst. Nachfassaufwand, weil Kunden sich melden. Preise, die während der Liegezeit veralten. Rückfragen, die den Engpass zusätzlich belasten. Am Ende ist der Vertrieb schneller geworden und das Unternehmen langsamer.
Der Durchsatz einer Kette wird von ihrem Engpass bestimmt, nicht vom Mittelwert ihrer Schritte. Wer irgendwo anders beschleunigt, produziert unfertige Arbeit. Das ist keine neue Erkenntnis — neu ist nur, wie billig es geworden ist, an der falschen Stelle zu beschleunigen. Ein KI-Assistent kostet ein paar Euro im Monat und braucht keine Freigabe der Geschäftsführung. Genau deshalb passiert es gerade überall gleichzeitig.
89% der Führungskräfte sagen, KI erhöhe die Geschwindigkeit. Nur 6% sind sicher, klare Beispiele für einen Wertbeitrag von KI zu haben.
Atlassian Teamwork Lab – The State of Teams 2026
Die Werkzeuge zielen auf den Einzelnen, die Arbeit passiert im Team
Dass es überall gleichzeitig passiert, ist kein Zufall. Es ist eine Folge davon, wie KI in Organisationen eingeführt wird.
80 Prozent der Arbeit findet laut Atlassian auf Teamebene statt. Ausgerichtet werden die Werkzeuge aber auf den Einzelnen: Nur 24 Prozent der Führungskräfte richten ihre KI-Einführung darauf aus, die Zusammenarbeit zu verbessern. Der Rest optimiert individuelle Produktivität — also genau die Größe, die für den Durchsatz am wenigsten aussagt.
Dieser Satz beschreibt den Zustand nach der Beschleunigung ziemlich genau. Alle produzieren mehr, niemand hat noch Zeit, die Übergaben zu regeln — und die Übergaben sind die Stelle, an der der Durchsatz entschieden wird.
87% der „Knowledge Worker“ fehlt Zeit zu Abstimmung, weil alle im Ausführungsmodus sind.
Atlassian Teamwork Lab – The State of Teams 2026
Die Warteschlange, die niemandem gehört
Warum fällt das nicht auf? Weil die entscheidende Größe in keinem System erfasst wird.
Jedes Fachbereichswerkzeug misst innerhalb seiner Grenzen. Das CRM weiß, wann das Angebot erstellt wurde. Das ERP weiß, wann der Auftrag angelegt wurde. Was zwischen diesen beiden Zeitpunkten passiert ist — vier Tage Liegezeit, zwei Rückfragen per Mail, eine Freigabe, die im Urlaub hängenblieb — weiß keines von beiden. Es ist auch nicht deren Aufgabe.
Damit entsteht eine merkwürdige Situation: Der größte Kostenblock im Prozess taucht in keiner Abteilungsstatistik auf, weil er zwischen den Abteilungen liegt. Jede Abteilung berichtet für sich ordentliche Zahlen. Die Summe der Berichte ergibt trotzdem nicht das Ergebnis, das die Geschäftsführung erwartet hat.
An dieser Stelle ist eine Unterscheidung fällig, die in Diskussionen über Durchlaufzeiten regelmäßig untergeht: Nicht jede Liegezeit ist Verschwendung. Wenn ein Vorgang drei Tage darauf wartet, dass ein Lieferant einen Preis nennt oder ein Kunde eine Rückfrage beantwortet, liegt er nicht deshalb, weil ihn niemand anfasst. Er wartet auf jemanden, auf den Sie keinen Zugriff haben. Das ist betriebswirtschaftlich etwas völlig anderes als eine Freigabe, die seit Dienstag im Postfach eines Abwesenden hängt — im Zeitstempel sieht beides identisch aus.
Wer diese beiden Arten von Wartezeit in einen Topf wirft, produziert eine Zahl, die in der ersten kritischen Rückfrage auseinanderfällt. Technisch ist die Trennung unspektakulär: Der Schritt bekommt eine Kennzeichnung, ob er auf eine interne oder eine externe Antwort wartet, und die Auswertung trennt beides. Der Aufwand dafür ist gering, der Unterschied im Ergebnis erheblich. Denn erst danach wissen Sie, welcher Teil Ihrer elf Tage tatsächlich Ihnen gehört — und nur dieser Teil ist überhaupt verhandelbar.
Und die Sache verschärft sich gerade.
55% der Führungskräfte sagen, dass KI die Unterschiede bei Leistung und Chancen zwischen Teams vergrößert.
Atlassian Teamwork Lab – The State of Teams 2026
Was die besten 14% anders machen
Die Studie hat auch eine Gegenprobe. 14 Prozent der Teams holen den Nutzen tatsächlich heraus, und sie unterscheiden sich nicht durch bessere Modelle, sondern durch drei Dinge: Sie geben ihren Systemen vollständigen Kontext, sie definieren klare Abläufe für Menschen und für Agenten, und sie machen Zusammenarbeit zum Maßstab statt individueller Geschwindigkeit.
Bemerkenswert ist der mittlere Punkt. „Klare Abläufe für Menschen und für Agenten“ ist keine Kulturmaßnahme und kein Führungsthema. Das ist ein Prozessmodell — und zwar eines, das nicht an der Abteilungsgrenze aufhört.
Übergaben sichtbar machen
Damit sind wir bei der praktischen Konsequenz. Ein durchgängiger digitaler Prozess besetzt genau den Raum, den kein Fachbereichswerkzeug besetzt: den zwischen den Beteiligten. Er weiß nicht nur, dass ein Angebot erstellt wurde, sondern auch, wann es an die Prüfung übergeben wurde, wie lange es dort lag, bei wem es liegt und ab wann es ungewöhnlich lange liegt. Die Wartezeit hört auf, ein Gefühl zu sein, und wird zu einer Eigenschaft des Vorgangs.
Sobald das der Fall ist, lässt sich die Frage beantworten, mit der jede Beschleunigung eigentlich beginnen müsste: Wo ist der Engpass? In unserer Erfahrung liegt er selten dort, wo ihn alle vermuten: er liegt fast immer an einer Übergabe, die niemand als solche wahrnimmt, weil sie zwischen zwei Zuständigkeiten stattfindet — eine Freigabe, die auf eine Rückmeldung wartet, eine Prüfung, die nur eine Person durchführen darf, ein Schritt, der aus historischen Gründen zweimal vorkommt.
Diese Stellen zu finden, kostet keine große Investition. Es kostet die Bereitschaft, den Ablauf einmal vollständig statt abteilungsweise zu betrachten. Wie man aus den so entstehenden Daten belastbare Zahlen macht, die auch in der Bilanz ankommen, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben. Und warum diese Messpunkte im laufenden Betrieb weiter gepflegt werden müssen, steht in unserem Beitrag dazu, warum klassischer IT-Support für digitale Prozesse nicht ausreicht.
Vier Regeln, bevor Sie irgendetwas beschleunigen
- Erst den Engpass bestimmen, dann investieren. Jede Beschleunigung außerhalb des Engpasses erhöht die Menge unfertiger Arbeit, nicht den Durchsatz. Das gilt für KI genauso wie für zusätzliches Personal.
- Übergaben zählen, nicht nur Bearbeitungen. Die interessante Größe ist nicht, wie lange ein Schritt dauert, sondern wie lange ein Vorgang zwischen zwei Schritten wartet. Diese Zahl hat kaum jemand, und sie ist meistens die größere.
- Nur bis zur Kapazität des nächsten Schritts beschleunigen. Alles darüber hinaus produziert Warteschlange. Wenn der nachgelagerte Schritt nicht mitwachsen kann, ist er der eigentliche Kandidat für Automatisierung.
- Am Durchsatz messen, nicht an der Schrittdauer. Wie viele Vorgänge sind vollständig durchgelaufen, in welcher Zeit? Alles andere ist eine Teilwahrheit, die sich gut berichten lässt.
Der Anfang ist ein Ablauf, keine Initiative
Wenn Sie an dieser Stelle angekommen sind, kennen Sie das Problem vermutlich aus eigener Anschauung: Alle Bereiche berichten Fortschritt, und trotzdem verändert sich die Zahl nicht, auf die es ankommt.
Wir haben die Technik, um das aufzulösen — Prozess- und Regel-Engines, die Anbindung an Ihre Bestandssysteme, den Betrieb in der Cloud oder in Ihrem Rechenzentrum und den fachlichen Support, der einen Ablauf über Jahre stabil hält. Der entscheidende Unterschied liegt aber nicht in der Technik, sondern im Zuschnitt: Wir modellieren einen Ablauf von Anfang bis Ende, über Abteilungsgrenzen hinweg, und protokollieren dabei auch die Zeit zwischen den Schritten.
Dafür braucht es kein Programm und kein Jahresbudget. Es reicht ein Gespräch, in dem wir gemeinsam einen Prozess auswählen, der über mindestens zwei Bereiche läuft. Danach sehen Sie zum ersten Mal, wo Ihre Vorgänge tatsächlich stehen.
Und erst dann lohnt sich die Frage, wo beschleunigt werden sollte.
Diese Teams sagen bis zu 5,6-mal häufiger, dass KI ihnen bei Planung und Priorisierung hilft, und 9,4-mal häufiger, dass sie die Zusammenarbeit verbessert.
Atlassian Teamwork Lab – The State of Teams 2026
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